Mobilität in Mailand
Mailand ist groß [Citation needed (*1)]. Also benötigt es Verkehrsmittel, um von A nach B zu gelangen. In diesem Blogpost möchte ich eine Rangliste der besten Verkehrsmittel für Mailand erstellen. Meine exklusiven Kaufempfehlungen und Preisleistungssieger verrate ich euch gerne, natürlich nur hier auf maxstridde.de. Ich bitte zu beachten, dass die vorgestellten Alternativen keine sich gegenseitig ausschließenden Wahlmöglichkeiten sind. Der größte Nutzen kann womöglich durch die Kombination der hier vorgestellten Angebote erzielt werden.
Es kann sich bei hier angegebenen Links um Affiliate-Links handeln. Die Kosten bleiben für dich unverändert, ich verdiene daran immerhin ein wenig. Vor allem verdienen jedoch der beziehungsweise die großen Internetkonzern(e) prächtig und der Einzelhandel leidet.(*2)
1. Stadtrad
Wie in Bonn und vielen anderen Städten auch, gibt es einen super günstigen Anbieter für Stadträder. Dessen Angebot ist in meinen Augen kaum zu überbieten. Für 36 € im Jahr kann man unbegrenzt oft die gelben Räder nehmen. Für nur 25 Cent pro Fahrt sind die E-Bikes ebenfalls ein herausragender Deal. Stationen zum Ausleihen und Abgeben gibt es fast überall (für die spitzfindigen Mathematiker: Es sind dennoch nur endlich viele). Das Fahrradnetz ist so dicht, dass es sich selbst für 500 m Strecken lohnen kann, schnell einen gelben Flitzer zu leihen. Auf Platz 1 steht das Stadtrad sogar vor dem eigenen Rad, obwohl mein Wohnort leider leicht außerhalb der Servicezone liegt. Diese Platzierung ergibt sich für mich, weil dieses Angebot unschlagbar günstig ist. Außerdem erfordert es keine eigenen Reparaturfähigkeiten und im größten Teil des Stadtgebiets sind die Räder überall verfügbar. Vor allem kann ich morgens mit dem eigenen Rad zur Uni, mit dem Stadtrad zur U-Bahn, dann mit der M4 in den Süden fahren, dort das nächste Stadtrad nehmen und spät am Abend zum Beispiel mit einem E-Bike zurück zu meinem Rad, mit dem ich dann den letzten Kilometer heimfahre. Im ersten Monat habe ich bereits 22 Strecken mit den Leihrädern zurückgelegt. Insgesamt macht es einfach Spaß, ich kann super spontan sein, und meine Entdeckungstour durch die Mailänder Innenstadt und das Bankenviertel mit Carlo wäre ohne auch nicht zustande gekommen. 4,9 / 5 Sterne, weil vor meiner Haustür eine Station fehlt.
2. Eigenes Rad
Das Fahrrad ist eine geniale Erfindung. Zwei Räder, eine Bremse und zack, geht’s los. Über die Fahrradklingel habe ich schon einmal einen Text geschrieben. Die an meinem Lenker ist defekt, was mir angesichts der fehlenden Aufmerksamkeit der Menschen allgemein und der Italiener im Straßenverkehr noch spezieller das zeremonielle Abschrauben erspart. Ich muss gestehen, dass das Radfahren in Mailand eine gewisse Skrupellosigkeit und Risikobereitschaft erfordert, da man sich den italienischen Verkehrsregeln unterordnen muss. Wenn man sich einmal an die neue Ordnung gewöhnt hat, besticht das (eigene) Rad jedoch durch endlose Flexibilität und super schnelle Fortbewegung. Da rote Ampeln hier eher als Empfehlung denn als Anweisung gelten, ist man tatsächlich schneller unterwegs als mit dem Auto. Die Autos halten sich zum Glück noch größtenteils an die Lichtzeichen. Für mich besticht auch das Freiheitsgefühl und der Fahrtwind im Gesicht, während ich in die Pedale trete. Größter Vorteil des Privatrads ist, dass es das einzige Verkehrsmittel ist, welches direkt vor meiner Haustür steht und obendrein kostengünstig ist. Außerdem lässt es sich super kombinieren: Als Zubringer zur Uni, U-Bahn-Station, zum Stadtrad oder Bahnhof leistet es mir genauso gute Dienste wie für längere Rundfahrten. Im Stadtzentrum bin ich jedoch froh, gegen ein Stadtrad zu tauschen, da ich so nicht in Gefahr laufe, es in den Straßenbahnschienen zu zerstören oder durch das holprige Monsterkopfsteinpflaster aus einem anderen Jahrhundert zu demolieren. Dank Carlo habe ich einen wunderschönen Drahtesel, der mich tagtäglich durch die Stadt fährt – was für ein Glück. 4,8 / 5 Sterne.
3. Zu Fuß
Für mich bietet diese Fortbewegungsmöglichkeit die wunderbare Gelegenheit, die Stadt besser kennenzulernen. Man ist langsamer unterwegs (in der Spitzengeschwindigkeit; für kurze Strecken ist dies teils auch die zeitlich effizienteste Methode). Dadurch erhält man die Möglichkeit, die Schaufenster und Läden der Umgebung besser zu betrachten. So habe ich oft die schönsten Cafés, Bäckereien oder Handwerksläden entdeckt. Vor allem durch diese bekomme ich ein Gefühl für den Lebensalltag in Italien. Die Musik spielt in Italien auf den Straßen, an den Treffpunkten der Mailänder. Die gemütlichen Bars, an denen man aufgrund des wärmeren Klimas schon im März sitzen kann, bieten für jeden Spaziergang eine kleine Rast. Gerade im Univiertel ist Zu-Fuß-Gehen unschlagbar, denn das meiste liegt wirklich eng beieinander. Gut anzumerken ist an dieser Stelle, dass ich in Mailand bisher nur 2 Tage mit wirklichem Regen hatte. Angesichts dieser traumhaften Bedingungen vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.
4. ÖPNV
Bus, Straßenbahn und fahrerlose U-Bahn. All das hat Mailand zu bieten. Das Monatsabo ist mit 22 € (als Student bzw. unter 27) preiswert und die Taktung der Fahrzeuge im Kernbereich super hoch. Meine Hauptverkehrsachse verläuft von Osten nach Westen. Die vollautonome M4 fährt alle 4 Minuten und ist schneller, als jedes Auto oder Fahrrad darf oder kann. Einziger Nachteil sind die gefühlt 50 m, die man jedes Mal in die Tiefe oder zurück zum Tageslicht steigen muss. Mit rund 1,8 Milliarden Euro Baukosten war sie selbst für eine Millionenstadt wie Mailand und für italienische Verhältnisse relativ teuer. Dafür funktioniert sie auch blendend. Auch die Straßenbahnen und Busse sind recht solide, sofern die Straßenbahnen nicht gegen Hauswände krachen (etwa eine Woche nach meiner Ankunft in Mailand genauso passiert). Vor allem finde ich bemerkenswert, dass teils noch uralte Straßenbahnen unterwegs sind. Diese erkennt man an den wunderschönen Holzbänken und den antiken Steuerknüppeln und Gashebeln in der Fahrerkabine. Da für mich auf den meisten anderen Achsen das Fahrrad nützlicher ist, habe ich mit anderen Linien nicht ganz so viele Erfahrungen. So ergeben sich für mich insgesamt 4 / 5 Sterne.
5. E-Scooter und Co.
Ich bin insgesamt kein großer Fan von diesen Mobilitätsanbietern. Eine Fahrt mit dem Stadtrad ist beim Jahresabo (36 €) kostenfrei oder liegt bei 0,25 € für ein E-Bike. Im Vergleich dazu zahlt man für eine einzelne Route mehrere Euro, wenn man auf E-Scooter oder E-Bikes von anderen Anbietern zurückgreift. Anders als die Stadträder sind diese „Free Floating“ und somit auch etwas weiter außerhalb oder manchmal direkt vor der Tür verfügbar. Störend ist jedoch, dass aufgrund der fehlenden festen Abstellstationen die Fuß- und Radwege versperrt werden. Es macht ja durchaus mal Spaß, sich mit Elektrokraft durch die Gegend ziehen zu lassen. Für Last-Minute-Konzertbesuche (wenn in einer der 20 WhatsApp-Gruppen jemand 5 Minuten vor Konzertbeginn noch eine Karte abzugeben hat, man aber 15 Minuten Anfahrt hat) ersparen sie auch den 3-Minuten-Weg zum nächsten öffentlichen Rad, doch aufgrund der benannten Problematik und der folgenden Alternativen bleiben dennoch nur 1 von 5 Sternen.
6. Rollstuhl
Sonderlich qualifiziert, um über Rollstuhlmobilität in Mailand zu schreiben, bin ich nicht. Was mir jedoch im Vergleich zu Deutschland auffällt, sind 2 Dinge. Einerseits haben super viele Wohnhäuser, Kirchen und sonstige öffentliche Gebäude Treppenlifte für Rollstuhlfahrer. Zweitens gibt es in jeder Toilette, von der Uni bis zum Restaurant, eine rollstuhlgerechte Toilette. Gerade wenn es nur eine Toilette gibt, und auch bei engem Platz, ist das Klo entsprechend ausgestaltet. Über die sonstige Fortbewegung kann ich nur mutmaßen, doch durch die italienische Gesetzgebung scheint mir der Zugang zu öffentlichen Gebäuden durchaus erleichtert.
7. Auto
Das Auto ist allgemein in Italien nicht ganz wegzudenken. Gerade in ländlichen Regionen benötigt man eine Kutsche auf 3 oder 4 Rädern, um die Berge hoch- und runterzukommen. Wer als Wanderfreund auch mit Aussicht unterwegs sein möchte, statt von 300 HM bis auf 1.800 HM emporzusteigen, freut sich deshalb sehr über dieses Transportmittel für den Wochenendausflug. Vor allem für den Ausflug zu meinem ersten Klettersteig habe ich sehr von der Bequemlichkeit des Autos profitiert. Davon abgesehen scheint mir das Auto gänzlich ungeeignet, um in der Stadt unterwegs zu sein. Es ist (vergleichsweise) teuer. Man bekommt keine Bewegung (für manche Menschen ist dies wohl ein Vorteil und kein Nachteil). Man steht im Stau. Insbesondere zu den Stoßzeiten ist mit überfüllten Straßen zu rechnen. Vorteil von Mailand gegenüber Deutschland sind die lascheren Verkehrsregeln. Vor allem ist die Parkplatzsuche hier sehr viel leichter, da alles – und ich meine wirklich alles (zweite Reihe, dritte Reihe, auf dem Zierrasen, auf dem Fußweg, auf dem Zebrastreifen, in der Kreuzung, …) – als Parkplatz durchgeht, siehe Bild. Insgesamt vergebe ich 0,4 von 5 Sternen.
WARNING
In Mailand zählt wirklich ALLES als Parkplatz. Rasenflächen, Gehwege. Parken in zweiter Reihe. Parken in dritter Reihe. Ich habe bereits wirklich KREATIVE Parkplätze gesehen…
8. Helikopter
Kommen wir zum ersten (von hinten betrachtet) möglicherweise praktischen Verkehrsmittel. Dank vieler Hochhäuser könnte ein Helikopter wirklich nützlich sein, um sich die Fahrt im Fahrstuhl zu ersparen. Das durchschnittliche Haus (im Median auch, würde ich ergänzen) in Mailand besitzt meinem Empfinden nach mindestens 6 Stockwerke. Richtung Stadtmitte und im Bankenviertel geht’s natürlich noch sehr viel höher. Persönliche Erfahrungen kann ich hier nicht anbieten, daher vergebe ich lediglich 0,3 von 5 Sternen.
9. Privatjet
In Mailand werden Style und Aussehen großgeschrieben. Entsprechend großen Eindruck kann ein Privatjet machen. Ich gehöre weder zu den Leuten, die sich einen leisten können, noch suche ich besonders viel Kontakt mit den Menschen, die sich vom Besitz eines Privatjets beeindrucken lassen. Aufgrund meiner Faszination für die Technik muss ich dennoch 0,2 von 5 Sternen vergeben. Nützlich für den Transport ist der Jet allerdings nicht.
10. Rakete
Ein Raketenstartplatz wird möglichst weit entfernt von menschlichen Siedlungen errichtet, um Gefahren für die Bevölkerung bei einer Explosion möglichst gering zu halten. Meist wird ein Standort am Meer gewählt, da das Meer eine leicht zu überblickende Sicherheitsfläche für den gefahrlosen Niedergang von Raketenteilen darstellt.
Der nächste italienische Raketenstartplatz (nur suborbital) befindet sich auf Salto di Quirra, Sardinien. Mit etwa 654,60 km Luftlinie von Mailand nach Salto di Quirra ist dieses Verkehrsmittel nicht sinnvoll für den Weg zum Bäcker, zur Uni oder zum Büro zu gebrauchen. Zum Bäcker zieht mich in Mailand sowieso wenig, da das weiße Weißbrot nur wenig zu bieten hat im Vergleich zum deutschen Schwarzbrot (für Pizza und Focaccia kann sich der Weg natürlich lohnen. Einen guten Bäcker habe ich in meiner MUST-DO-MAILAND Liste erwähnt.)
Fazit: 0,1 von 5 Sternen. 1 Stern für den Coolnessfaktor, –0,9 Abzug für die Umweltbelastung.
(*1) [frei zitiert nach What If?, Randall Munroe]
(*2) Es gibt in diesem Artikel natürlich keine Affiliate-Links.
(*3) Bilder füge ich ein anderes mal dazu. Den Text hatte ich schon länger fertig und möchte ich nicht länger herumliegen lassen haha ^^
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