Warum Mailand solch eine Lebenswerte Stadt ist
Stadtplanung
Gute Stadtplanung ist keine Raketenwissenschaft. Es reicht, sich zu fragen, was dem Menschen auf dem Mars fehlen würde, um die Grundsäulen der lebenswerten Stadt zu verstehen. Denn der Mars ist ziemlich menschenunfreundlich. Um dort zu überleben, brauchen wir Menschen frische Luft, Trinkwasser und genügend Freiraum, damit wir uns in den Wohnkapseln nicht zu beengt fühlen.
Weil diese Lebensanforderungen unabhängig vom Planeten sind, können wir diese Prinzipien auch auf irdische Städte anwenden. Das Schöne an Italien ist, dass diese Grundvoraussetzungen des menschlichen Lebens in Städten wie Mailand erfüllt sind.
Frischluft
Die Luftaufbereitungsanlagen unserer Stadt heißen Bäume. Sie tragen unfassbar viel zur Qualität einer Stadt bei. Mailand macht in diesem Punkt vieles richtig. Große Verkehrsadern sind von Bäumen umsäumt. Die Parkzone über der neu gebauten, selbstfahrenden U-Bahn ist schön und dicht begrünt. Bäume sorgen für Schatten und angenehmere Temperaturen, sie sind Luftfilter, speichern CO₂ und sind Heimat für so manche Tierart. Nicht ohne Grund werden Bäume auch als Lunge der Stadt bezeichnet.
Trinkwasser
Es ist wirklich klasse. Fast egal, wo man in Mailand ist, findet man im nahen Umkreis eine öffentliche Trinkwassersäule. Vor meinem Wohnheim wurde so eine neu gebaut. Seitdem kommen dort regelmäßig Anwohner vorbei und füllen sich literweise Flaschen ab. Es gibt Wasserschlachten, Hunde trinken aus dem Auffangbecken unter dem Auslass, und bei jeder Stadtexkursion kann man seine Flasche kostenlos wieder auffüllen. Die Wasserspender bekämpfen nicht nur Plastikflaschen, sie sorgen für eine gesündere Stadt. Ich wünschte, mehr Städte würden sich daran ein Vorbild nehmen.
Wohlfühloasen
Was macht eine Stadt lebenswert? Ganz sicher nicht eine endlose Vielzahl von Einkaufsstraßen, die nur Freude machen, wenn man Geld in die Hand nimmt. In einer lebendigen Stadt spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Dafür braucht es Stätten der Zusammenkunft: von Stadtparks über kleine Bänke unter einem Baum, Hinterhöfe, offene Kirchen und Fußgängerpassagen bis hin zu kleinen Cafés, die solche Orte bereichern. Von all dem hat Mailand reichlich. Es ist schön zu sehen, wie sich Gruppen von Rentnern an ihrer Parkbank treffen, Studenten an den Bars ihren Aperol Spritz trinken, Familien in Restaurants zusammenkommen und Jugendliche im Park abhängen. Mailand lädt zum Verweilen ein und ist durch seine Gelassenheit etwas ganz Besonderes. Der Unterschied zu anderen Städten ist, dass Mailand nicht nur eine Touristenstadt ist. Gerade durch viele kostenfreie Angebote ist Mailand auch für die Bewohner sehr lebenswert.
Sportraum
Wie bleiben Astronauten auf dem Mars fit? Indem sie Sport machen. Wie bleiben Menschen auf der Erde fit? Indem sie Sport machen. Genau darum sind städtische, frei zugängliche Sportanlagen eine gute Investition, denn alle profitieren davon. Bewegung tut gut, und die Sportplätze dienen als Spiel- und Turnplatz für kleine Kinder, als Muckibude für alle Größeren und als sozialer Treffpunkt für sportbegeisterte Menschen. Im Verbund mit Tischtennisplatten, Basketball- und Fußballfeldern, Boule-Plätzen (Boccia), dedizierten Spielplätzen, Parkbänken sowie schönen begrünten Strecken für Läufer entstehen attraktive Orte für eine Vielzahl von Sportarten und Aktivitäten. Hier kommen Menschen aller Altersklassen zusammen. Abends wuselt es an diesen Orten in Mailand nur so vor Aktivität. Mailand hat erkannt, dass solche Anlagen die Lebensqualität steigern und die Attraktivität eines Viertels erhöhen. Davon sollten sich viele Städte eine Scheibe abschneiden.
Auch wenn Mailand selber keine spektakuläre Stadt ist, wie vielleicht Florenz, Venedig, Pisa oder Rom, herrscht hier ein besonderer Flair. Es lässt sich in Mailand sehr gut leben, und darum bin ich super glücklich, hier mein Erasmus verbracht zu haben.
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